Australisches Stock Horse
Das
Australische Stock Horse enstand in einer selektiven Zucht, die sich
an der Nachfrage orientierte. Die Zuchtgeschichte begann mit der Ankunft
erster Pferde in New South Wales 1788. Die Pferde waren Englische Vollblüter
und Spanier, später kamen Araber, Timor und Welsh Mountain Ponys
hinzu. Die Pferde benötigten Stärke und Stehvermögen,
nicht allein wegen der harten Schiffsüberfahrt (9-12 Monate lang),
sondern auch wegen der Arbeit in ihrer neuen, ungewohnten und noch unbewirtschafteten
Heimat. Mit der Überquerung der Blue Mountains und Vordringung
ins Inland wurden zuverlässige, kräftige Pferde für die
Siedler unerlässlich. Entdecker, Viehzüchter und Kavalleristen
hingen von jenen Pferden ab, die Tag für Tag große Distanzen
zurücklegen konnten. Schwache Pferde wurde aussortiert, starke
für die Zucht eingesetzt, aus der die Arbeitspferde für die
Weiterentwicklung der Kolonie hervorgingen.
Trotz der unterschiedlichen Herkunft der Pferd, u.a. aus Peru, Chile,
Indien, England und dem Kap der guten Hoffnung, bildete sich eine
ansehnliche Rasse heraus, die zunächst Waler genannt wurde, nach
der Kolonie New South Wales. Die Heldentaten der Entdecker und Viehzüchter
und ihrer treuen Pferde im australischen Busch wurden zur Volkskunde;
Geschichten wie "The Man from Snowy River" and "Clancy
of the Overflow" erzählen von ihren Abenteuern.
Die Härte der Waler zahlte sich auch in der Kavallerie aus. Als
die Briten in der Meuterei der Inder unterlegen waren, trugen die
Waler wesentlich zu ihrer Rettung bei. Die ersten 29 Pferden gingen
1857 per Schiff nach Kalkutta/ Indien und wurden dank ihrer Überlegenheit
über die dortigen Rassen bald in größeren Mengen angefordert.
So kamen etwa allein 1858 2500 Waler nach Indien. Im Boerkrieg wurden
noch mehr Pferde importiert und 16.000 dienten von 1899 - 1902 in
den unterschiedlichsten Truppen.
Später,
im Mittleren Osten orderten britische Generäle erneut Australische
Pferde. Ungefähr 160.000 dienten im I. Weltkrieg unter Kavalleristen
aus 20 Nationen, auf beiden Seiten, basierend auf dem Vertrauen in
Ausdauer und Zuverlässigkeit der Pferde. Das Buch "The Desert
Mounted Corps" eines englischen Kavalleristen beschreibt die
Genügsamkeit der Pferde, die täglich wenig Futter und trotz
der Hitze nur alle 36 bis 72 Stunden geringe Mengen Wasser erhalten
konnten. Trotzdem starben nur wenige Pferde an den Torturen, die meisten
fielen im Kampf oder wurden getötet, damit sie nicht den Ägyptern
und Arabern in die Hände gelangten. Die Rückkehr nur eines
Pferdes war traurig für die australischen Züchter, der Bestand
dadurch jedoch nicht bedroht. 1918 zählte man in Australien 5.030.479
Einwohner und stolze 2.527.149 Pferde.
Nach
dem I. Weltkrieg, dem gewonnenen Ansehen und dem bekannte Rassetyp
zum Trotz, gab es für den Waler noch kein Stutbuch oder Register.
Industrialisierung drängte ihn zurück bis um 1960 das Interesse
durch vermehrte Freizeit in der Gesellschaft wiedererwachte. 1971
sammelten Alex Braid of Wellington und Bert Griffith of Scone auf
der Sydney Royal Show, 100 Enthusiasten zusammen und gründeten
die Australische Stock Horse Gesellschaft, die der heimischen Rasse
die verdiente Anerkennung zollte. Zuerst scuhte man Kundige zur Beurteilung
der zur Inspektion vorgebrachten Pferde. Mit 50 von 100 möglichen
Punkten erfolgte die Eintragung ins Stutbuch. Die Gesellschaft wuchs
und baute nach und nach Zweigbüros in Australiens Bundesstaaten
auf. 1979 gehörten 12.000 Interessenten der Gesellschaft an und
über 40.000 Pferde waren registriert.