Inselabenteuer Südsardinien



Obwohl ich eigentlich eine Reittour in Portugal geplant hatte und nur so halb auf Italien eingestellt war, hat mich Sardinien mit seiner ganzen Schönheit, den tollen Menschen, wundervoller abwechslungsreicher Landschaft und nicht zu vergessen der köstlichen Küche, von der ersten Sekunde an überzeugt.
Nach meiner Ankunft am Flughafen in Cagliari schon früh am Morgen werden eine Mitreiterin und ich mit dem Auto von unseren beiden Guides abgeholt und nach einer einstündigen Fahrt erreichen wir unser kleines Hotel, unsere Unterkunft für diese Woche, auf der kleinen Insel Sant'Antioco in dem gleichnamigen Hauptort der Insel. Diese touristenärmere und dadurch naturbelassene Nebeninsel am Süden Sardiniens ist über eine Straße mit der Hauptinsel verbunden. Sie zeichnet sich durch wundervolle Sandstrände, Naturparks und Berglandschaften aus. Da ich noch den ganzen Tag bis zur Ankunft der weiteren Mitreiter Zeit hatte, nutze ich den Tag um mir den hübschen Küstenort anzusehen und am Pool des Hotels zu entspannen. Am Abend, als unsere 6-köpfige internationale Reitgruppe komplett ist, holen uns die beiden Guides am Hotel ab und zusammen gehen wir in ein benachbartes typisch italienisches Restaurant. Bei der ersten hauchdünnen und köstlichen Pizza lernen wir uns kennen und es ist sofort klar, dass es mit dieser Gruppe eine tolle Woche wird. Direkt nach dem Frühstück am nächsten Morgen geht es für uns zum ersten Mal zu den Pferden und wir sind alle schon sehr gespannt und aufgeregt, was uns erwarten wird. Wir werden mit dem Auto abgeholt und erreichen nach ca. 15 Minuten Autofahrt den nahegelegenen Reiterhof, wo uns schon die gesattelten Pferde erwarten. Die Familie unseres Reitguides Manolo führt den Reiterhof schon seit mehreren Generationen und die etwa 20 Anglo-Araber leben als Herde auf riesigen Flächen friedlich zusammen. Die absolut pferdegerechte Haltung und die ausgeglichenen Charaktere unserer sensiblen und tollen Pferde wird uns noch die ganze Woche erfreuen und ist einer der Gründe, warum diese Reise ein absoluter Traum wird.
Bevor es zum ersten Ritt geht, gibt es eine kurze Testrunde zum Kennenlernen der Pferde auf dem Reitplatz. Und schon ist klar, dass alle Pferde super passen und wir starten voller freudiger Erwartungen. Ich habe eine wunderschöne 9-jährige Fuchsstute, die super flott vorwärtsgeht und sehr sensibel zu reiten ist. Ich mag sie sofort und während der Woche zeigt sich, wie toll alle Pferde von Manolo’s Familie ausgebildet wurden.
Der erste Ritt führt uns erst über Felder und durch kleine Dörfer und mit einigen flotten Galoppaden über Sandwege direkt an die Küste. Und schnell gewöhnen wir uns an das uns allen vertraute Kommando Manolos: „Trotto“ direkt gefolgt von einem „Galoppo“ und schon geht es los. Die Pferde sind alle super, gehen flott vorwärts und reagieren jederzeit auf die Hilfen. Wodurch jede Galoppstrecke super viel Spaß macht. Dann wird es Mittag, kaum biegen wir um eine Ecke erreichen wir einen wundervollen Strand, belebt von einer Menge bunter Kitesurfer, die atemberaubende
Kunststücke vorzeigen. Und hier ist er: unser Traumpicknick Ort. Wobei Picknick eine große Untertreibung ist, bei den zahlreichen Köstlichkeiten, die von Manolos Frau jeden Tag frisch zubereitet werden. Es gibt zahlreiche Salate, Brot, Käse, Oliven, Obst, Wein und sogar eine Thermoskanne mit heißem frischem Kaffee. Ziemlich hungrig fallen wir über die Leckereien her und sind uns einig, das ist Dolce Vita. Auch haben wir genug Zeit zum Baden und Relaxen. Nach dem Essen steigen wir erneut auf und es geht 1.5 Stunden direkt an der Küste entlang, wo es einige flotte Galoppaden durchs Wasser gibt. Die Landschaft ist traumhaft schön, umsäumt von Pinienwäldern und unberührten Naturschutzgebieten, ich atme tief ein und fühle mich, als wäre ich im Paradies angekommen, weit weg von Gedanken an ein graues Deutschland und den Alltag. Nach dem ca. 6-stündigen Ritt erreichen wir glücklich den Reiterhof und werden zum Hotel gebracht, von wo aus wir kurz später wieder abgeholt werden zum
Abendessen in einem weiteren italienischen Restaurant.


Der zweite Reittag führt wieder direkt vom Reiterhof über einige Dörfer und Felder. Wir reiten durch die Salinas und vorbei an ihren Seen, in denen neben uns einige Flamingos waten. Hier erwarten uns einige Galoppstrecken und ein Stückchen weiter geht es auch im flotten Galopp entlang eines Flusses bis zu unserem heutigen Picknickplatz an der ältesten Kirche Sardiniens im Dorf „Palmas Vecchio”. Wir binden die Pferde im Schatten neben der Kirche an und erneut erwartet uns ein reichhaltig gedeckter Tisch mit neuen köstlichen Antipasti von Maria. Nach unserer entspannten Mittagspause im Schatten und einer lustigen Runde Yoga für Reiter, reiten wir weiter bis zum großen Stausee von Tratalias. Hier erklimmen wir einen Berg bis zu einem Aussichtspunkt mit einem eindrücklichen Panorama: auf der einen Seite der riesige Stausee und auf der anderen der Golf von Palmas mit seinen weiten Meeresküsten und langen Sandstränden. Wir reiten den Berg wieder hinunter, machen noch einen Abstecher runter zum See, wo wir die Pferde tränken und reiten dann in Richtung des Reiterhofs. Unterwegs stoppen wir noch in dem mittelalterlichen Dorf “Tratalias Vecchia”, durch welches wir über Kopfsteinpflaster, vorbei an einer alten Kirche, hindurch reiten. Dies war unser längster Reittag mit fast 7 Stunden und wir erreichen glücklich, aber etwas müde den Reiterhof und freuen uns schon auf das nächste gemeinsame italienische Abendessen.
Das heutige Reitabenteuer ist eines unserer Highlights da es uns an kilometerlange Sandstrände, unter anderem an den bekannten weißen Sandstrand von Porto Pino, mit seinen bis zu 30 Meter hohen Sanddünen, führt. Wir starten erneut vom Reiterhof und es geht entlang eines Flussbetts direkt zum Meer. Schon von weitem blitzt uns die blaue Weite entgegen und ich spüre mein Herz stärker schlagen bei den Gedanken an erneute Strandgaloppaden. Über sandige Wege kommen wir an den ersten Sandstrand. Vor uns erstreckt sich eine kilometerlange weite Bucht und wir reiten mit den Pferden direkt in die Wellen hinein. Nachdem einige Fotos geschossen wurden und wir durch das Wasser plantschen geht es heraus aus dem Wasser und schon ertönt unser lang ersehntes: „Trotto“ und schließlich „Galoppo“ und dann preschen wir los bis zum Ende der Bucht. Ich frage mich, ob das Glück, dass man bei einem Strandgalopp spürt irgendwann aufhört, so aufgeregt vor Freude bin ich gerade. Nach dieser ersten Bucht geht es hinauf in die Berge über steinige Pfade, auf welchen unsere trittsicheren Pferde mühelos gehen. Die ganze Zeit hat man ein herrliches Panorama über das Meer und die umliegenden Buchten. Oben angekommen, geht es auf der anderen Seite bergabwärts über Steinpfade durch Büsche zu unserem heutigen Picknickplatz. Erneut binden wir die Pferde im Schatten an und setzten uns an den reichlich
gedeckten Tisch, wieder mit allerlei selbstgemachten Köstlichkeiten. Nach dem Essen haben wir ausreichend Zeit um an der menschenleeren Bucht mit türkisblauem glasklarem Meer zu schwimmen, welche umgeben von Bergen ganz versteckt liegt. Die beiden Guides sind super nett und geben uns immer unsere gewünschte Pausenzeit, wodurch alles rundum entspannt ist und wir die herrlichen Mittagspausen in vollen Zügen genießen können. Weiter geht es dann über Weinberge hinunter bis wir schließlich in einem touristischeren Ort ankommen. Völlig angstfrei traben unsere Pferde durch diesen hindurch. Von weitem erkenne ich auf einem Parkplatz den Pferdetransporter und bin schon kurz traurig über das Ende der heutigen Tour. Bin dann aber erstaunt, als es an diesem vorbei geht. Plötzlich wird uns bewusst warum: Wir haben Porto Pino erreicht. Noch ist uns der lange traumhafte Sandstrand verborgen, aber die Dünen blitzen schon hervor. Angekommen an den Dünen hat Manolo ein weiteres spaßiges Abenteuer für uns auf Lager. Im flotten Trab und Galopp geht es in kleinen Kurven durch die Dünen und dabei immer wieder hoch und runter. Ein großer Spaß für Pferd und Reiter. Und dann erscheint er vor uns: der kilometerlange, menschenleere Sandstrand von Porto Pino.
Wir reiten in die Wellen, für einige Fotos im beginnenden Sonnenuntergang bevor wir zu einem letzten heutigen Strandgalopp ansetzten.
Unser heutiger Tag beginnt auf dem Reiterhof mit einer Kostprobe des Pferdetrainings des Vaters unseres Guides. Schnell wird klar, dass er ein echter Horseman ist, der schon seit Jahrzehnten Pferde ausbildet, unter anderem die Wildpferde von Sardinien. Wir sind begeistert von seiner Freiheitsdressur, seinen Kunststücken und auch atemberaubenden Stunts wie stehender Galopp auf zwei Pferden. Dann starten wir in
Richtung der Berge des Gebirgarchipel des Sulcis Gebirges. Über kleine Bergpfade und steile Stücke geht es hinauf zu unserem ersten Aussichtspunkt von wo man ein herrliches Bergpanorama über Meer und Dörfer hat. Wir kommen vorbei an einer Höhle, welche wir besichtigen und dann geht es weiter bis zum Höhepunkt dem Monte Suergiù, welcher sich auf über 400 Meter über dem Meer erstreckt. Von hier hat man ein eindrückliches 360 Grad Panorama. Genau hier oben machen wir die Mittagspause und wie sollte es anders sein, können wir auch hier oben ein herrliches Picknick genießen, welches wir in Satteltaschen mitgenommen haben. Bei allerlei Köstlichkeiten, wie gefüllten Broten, Käse, Oliven, Salami darf natürlich auch eine Picknickdecke nicht fehlen, welche Manolo aus einer der Taschen hervorzaubert.
Mit vollem Magen genießen wir die Pause und den herrlichen Blick bevor wir mit den Pferden hinunterreiten. Der nächste Reittag ist auf der Insel Sant’Antioco, wo uns die Pferde aus dem Transporter erwarten. Unser Weg führt uns entlang der Küste über Pfade und Sträucher zu einigen Buchten und kleinen Stränden. Die kleine Insel wirkt noch unberührter und menschenleerer und die kleinen Buchten sind wunderschön mit türkisblauem Meer. Wir erreichen schließlich die Siedlung „Turri“ und den imposanten, 700- jährigen spanischen Turm, der sich auf einer Felsenklippe befindet. Immer wieder stoppen wir für ein paar tolle Fotos im Hintergrund das Meer. Auch heute picknicken wir an einer kleinen Bucht, an der wir die einzigen Menschen sind. Da der Strand hier etwas felsig ist, verzichte ich auf ein Bad und genieße das Rauschen der Wellen. Wir reiten zurück entlang der Ostküste der Insel und dann weiter ins Landesinnere bis wir wieder nach ca. 4 bis 5 Stunden Reitzeit am Transporter
ankommen.


Und schon bald heißt es Abschied nehmen von den Pferden und es geht auf zu einem letzten Reittag. Auch dieser Tag birgt erneute Highlights. Über hügeliges Gelände und Buschwerk kommen wir an die Küste. Wir reiten auf eine erneute Bergspitze zu den Ruinen eines historischen Leuchtturms „Su Semafuru“. Hier können wir erneut ein 360 Grad Panorama über die Berg- und Küstenlandschaft sehen. Und von weitem blitzt auch der spanische Turm hervor, welchen wir an unserem gestrigen Reittag gesehen haben. Wir reiten hinunter und kommen an ein weiteres Naturspektakel, der „Grotta delle Sirene“ eine malerische Höhle, welche sich in einer Bergbucht umrandet von blauem glasklarem Wasser erstreckt.
Natürlich dürfen ein paar Erinnerungsfotos nicht fehlen, bevor wir hinabsteigen zu unserem letzten Picknick. Auch heute nehmen wir dies wieder an einem kleinen weißen Sandstrand ein, wo wir wieder fast die einzigen Gäste sind. In unserer letzten Pause baden wir und genießen die Zeit um uns bei den tollen Pferden zu bedanken und uns langsam auf den Abschied von ihnen vorzubereiten. Zurück reiten wir über Felder, Schafweiden vorbei an kleinen Bauernhöfen mit einigen letzten „Galoppo‘s“ über Wiesenwege. Dann erreichen wir den Pferdetransporter. Als Manolo mein Pferd in den Hänger führt, kullert mir fast eine Träne über die Wangen, mit dem Hinblick, dass ich Aisha hierlassen muss und dass der Urlaub sich nun dem Ende zuneigt. Meinen Mitreitern geht es ähnlich. Abends haben wir dann ein letztes gemeinsames Abendessen in einem netten Fischrestaurant, in dem der Fisch frisch in einem Steinofen mit Feuer gegrillt wird. Wir können gar nicht so viel Essen, wie ständig neue Köstlichkeiten auf den Tisch gestellt werden. Nach dem Frühstück heißt es Abschied nehmen von der Reisegruppe. Es war eine herrliche Woche,
mit der perfekten Mischung aus traumhafter Landschaft, den tollen Pferden, köstlichem Essen und den beiden freundlichen Guides die uns jederzeit mit Witz, Hilfe und vielen Infos über Sardinien versorgt haben. Die tollen Erinnerungen an das Abenteuer helfen mir hoffentlich noch lange durch den grauen deutschen Herbst.