Bosnien-Herzegowina - Reiturlaub in der Herzegowina



Bosnien-Herzegowina ist kein reiches Land. Noch immer gezeichnet durch die Nachwirkungen des Jugoslawien-Krieges sehe ich Bauruinen, Plastikmüll und kaputte Strassen, als ich aus Split mit dem Auto zum Reiterhof fahre. Während Kroatien bereits zur EU gehört, kämpft der östliche Nachbar noch um die Aufnahme in die Europäische Union. Als ich auf meine Gastgeberfamilie treffe, merke ich jedoch, das die harte Vergangenheit nicht nur eine tiefe Narbe in Bosnien-Herzegowina hinterlassen hat, sondern vor allem einen wachen Blick in die Zukunft und eine unfassbare Freundlichkeit Reisenden gegenüber. Am Reiterhof angekommen steige ich bereits mit einem Lächeln in Gesicht aus dem Auto aus und freue mich auf die anstehenden Tage im Sattel!



Familie bedeutet alles in Bosnien-Herzegowina. Das merke ich sofort, als ich meine Gastgeber kennenlerne. Während Miro und die jüngste Tochter Madja mich auf der Fahrt vom Flughafen zum Reiterhof ausgezeichnet unterhalten und mir das Gefühl geben als lang verschollene Freundin zurückzukehren, werde ich von Mama Renata direkt nach meiner Ankunft hervorragend mit Köstlichkeiten aus ihrem eigenen Garten bewirtet. Im Reitstall haben die Schwestern Marija und Melanie das Sagen. Stolz können sie mir zu jedem ihrer teils selbst gezüchteten Pferde eine kleine Geschichte erzählen. Als wir abends gemeinsam einen Ausritt unternehmen, lachen wir viel und es fühlt sich an, als wäre ich wieder auf einem der Ponyhofurlaube aus meiner Kindheit.

 

Die Pferde auf "Stina" sind jedoch alles andere als Ponyhof-Pferde. Die Familie ist selbst im In- und Ausland erfolgreich im Spring- und Distanzreitsport und züchtet für die Touren ausdauernde Araber-Mixe. Marija selbst hat einige Jahre im Ausland bei renomierten Sportställen gearbeitet und ein aufwendiges Studium der Pferdewissenschaften in Irland absolviert. Gemäss ihrer Möglichkeiten optimieren Sie Ihren Reiterhof und die Ausbildung Ihrer Pferde immer weiter, sodass leistungsbereite Sport- und Freizeitpartner den Gästen zur Verfügung stehen. Die Pferde stehen in grossem Herdenverband auf dem weitläufigen Gelände verteilt. Die Landschaft ist karg und die Familie ist auf die hauseigene Heuernte angewiesen. Die artgerechte Haltung macht aus den Pferden ausgelassene Freizeitpartner, die sowohl für eine ausgedehnte Galoppade, als auch für einen gemütlichen Ritt durch die Weite der Herzegowina zu haben sind.

  

Im Steppenähnlichen Westen von Bosnien-Herzegowina erstrecken sich Wiesen und Felder soweit das Auge reicht. Ich bin mitten im Herbst vor Ort, sodass die Landschaft in satten Farben erstrahlt. Warm leuchten die bunten Weinreben im Abendlicht. Die Wälder an den schroffen Berghängen am Horizont sind in sanfte Rottöne getaucht. Was auch ins Auge sticht, ist auch der Plastikmüll, der sich an den Orten stapelt, wo sich zuvor Menschen aufgehalten haben. Leider gibt es in Bosnien-Herzegowina noch keine adäquate Lösung für ein Recycling-System. Marija erzählt mir, dass ihre Familie zu Beginn des Sommers durch die umliegenden Felder streift und in harter, gemeinschaftlicher Arbeit all den Müll aufsammelt, der sich um ihr Grundstück herum angesammelt hat. Sie bringen den Plastikmüll über die Grenze nach Kroatien, wo er fachgerecht entsorgt werden kann. Sie wollen für ihre eignen Kinder und auch diejenigen, die ihre Reitschule besuchen, ein gutes Vorbild sein und ein Bewusstsein für den respektvollen Umgang mit Natur und Tieren schaffen.

  

Zum Abschluss meiner kurzen Reise nach Bosnien-Herzegowina besuchen wir noch ein verstecktes Paradies unweit des Reiterhofs. Wohin unsere Gäste eine Tagestour zu Pferd machen dürfen, fahre ich nun im Schnelldurchlauf mit dem Auto. Wir besuchen die Höhlen und Wasserfälle von Park Pec Mlini. Türkisblaues Wasser sucht sich in diesem Tal sanft seinen Weg durch Ruinen aus vergangenen Zeiten. Während ich an meinem wild gepflückten Granatapfel knabbere, geniesse ich den Anblick dieses herrlichen Naturschauspiels und hoffe bald zurückkehren zu dürfen in dieses vergessene Naturparadies.

Autor: Marei Groh, 2026