Nordmazedonien/Kosovo - Sar Planina Abenteuerritt
Fünf Tage zu Pferd durch die Šar-Berge Nordmazedoniens Eine Reise, die vor allem eines lehrt: wie gut es sich anfühlt, für ein paar Tage nicht erreichbar zu sein.
„Draußen ist ein Bär.“

Mit diesen Worten werden wir am zweiten Morgen unserer Reise geweckt. Einen Moment lang sind wir hellwach. Bären gibt es in den Bergen Nordmazedoniens tatsächlich, auch wenn man sie selten zu Gesicht bekommt. Dieser hier ist weit genug entfernt und für unsere Pferde keine Gefahr und trotzdem ein eindrucksvoller Start in einen Tag im Sattel.
Wir sind zu sechst unterwegs. vier Frauen aus Deutschland und der Schweiz, dazu unsere beiden Guides. Fünf Reittage liegen vor uns, quer durch die Šar-Berge im Nordwesten Nordmazedoniens, durch grüne Hochflächen, an schroffen Gipfeln und Bergseen vorbei, über alte Hirtenpfade und über die Grenze in den Kosovo.
Kleine Pferde, große Sicherheit
Unsere Pferde sind klein, kräftig und erstaunlich trittsicher. Sich ihre Namen zu merken ist simpel, denn sie werden nach nach ihrer Fellfarbe benannt.
Sie sind freundlich und uns gegenüber sehr aufgeschlossen. Anders, als man es auf anderen Reitterreisen schon mal erlebt. Schon am ersten Tag zeigen sie, was in ihnen steckt: Die Wege führen steil durch die Berge, kaum noch als Pfad zu erkennen, doch sie setzen Huf vor Huf, klettern förmlich über Felsen und finden ihren eigenen, sicheren Rhythmus.
Zur Mittagszeit rasten wir auf einem Berg, während eine Schafherde, begleitet von einem Hirten und seinen Hunden, über die Hänge zieht Unser Guide erzählt, seine Familie besitze rund 3.000 Schafe. Für sie ist diese Landschaft nicht nur Wildnis, sondern Lebensraum und Arbeitsplatz, in dem die Weidewirtschaft zum Alltag gehört.
Am Abend erreichen wir unser erstes Zeltcamp mitten im Nirgendwo. Es wirkt beinahe unwirklich wie die bunten Zelte auf einer Wiese zwischen den Bergen auf einmal auftauchen.
Die Zelte sind groß und die Schlafplätze sehr komfortabel. Nach dem Abendessen, das vor Ort zubereitet wird, beenden wir den Tag gemeinsam vor dem Lagerfeuer.
Über die Grenze
Am nächsten Morgen geht es wieder hinauf, über Bergkämme und schließlich über die Grenze in den Kosovo. Die Landschaft verändert sich kaum. Grenzen wirken hier oben wie etwas sehr Abstraktes, ohne Städte, ohne Zäune, fast ohne Hinweis, dass wir ein anderes Land betreten haben.
Am Abend schlagen wir unser Camp im Wald auf. Rund sechs Stunden verbringen wir täglich im Sattel, bergauf, bergab, und zwischendurch müssen auch wir zu Fuß gehen, wenn das Gelände zu unwegsam wird.
Diese Reise ist kein Spaziergang. Aber jede neuen Bergkuppe und jede neue Landschaft lässt einen die langen und anstrengenden Tage dennoch genießen.
Der Berg zeigt seine ganze Größe
Der dritte Reittag ist der spektakulärste. Die Wege werden schmaler, die Aussichten größer, während sich die Pferde den Berg hinaufschlängeln und unter uns die Landschaft abfällt. Wir sind eine großartige Gruppe, lachen viel und erfahren eine Menge über das Leben in Mazedonien. Vor allem im Nordwesten des Landes fühlen sich die Menschen noch immer als Albaner und nicht als Mazedonier, auch wenn sie hier geboren sind. Es wird albanisch gesprochen, die albanische Flagge ist überall präsent.
Nebel statt Weitblick
Am vierten Tag zeigt sich die Šar anders. Es regnet immer wieder, Nebel zieht auf und nimmt uns die Aussicht. Zunächst ist die Enttäuschung groß, doch dann bekommt der Ritt eine eigene, fast mystische Stimmung. Auf einer nebligen Ebene traben wir, während die Pferde durch den Dunst gleiten und die Konturen der Berge verschwinden.
Da der Regen nicht nachlässt, entscheiden wir uns den Ritt abzukürzen und uns ohne Umwege in das Dorf Vica zu begeben. Das erste Mal seit den Start der Reise sind wir wieder unter anderen Menschen und erleben die Kultur der Albaner in Mazedonien hautnah. Die Gastfreundschaft ist groß. Wir besichtigen die Moschee, besuchen einen Instrumentenbauer und verweilen lange im Café des Dorfes.
Zurück zur Farm
Am fünften und letzten Reittag scheint wieder die Sonne, wir reiten durch Wälder und offene Landschaft, unterbrochen von langen Trab- und Galoppstrecken. In Brodec halten wir für einen Kaffee, der selten so gut geschmeckt hat, machen Fotopausen, essen an einer Blockhütte und begegnen freilaufenden Pferden, bevor wir uns der Farm nähern. Die letzten Galoppstrecken fühlen sich fast wie ein Abschiedsgruß an.
Zurück auf der Farm verabschieden wir uns von unseren Pferden, die nicht in ihre Boxen gebracht werden, sondern frei laufen dürfen. Gemeinsam rennen sie die Berge hinauf und verschwinden aus unserem Blickfeld. Wir verbringen den letzten Abend in der komfortablen und gemütlichen Berghütte und sitzen ein letztes Mal gemeinsam am Lagerfeuer.
Was von dieser Reise bleibt, sind nicht nur die Bergpanoramen, sondern die Gespräche am Lagerfeuer, die großartige Stimmung in der Gruppe und vor allem das Gefühl, für ein paar Tage aus der gewohnten Welt verschwunden zu sein.
Wer Luxus sucht, wird diese Reise anders erleben. Wer dagegen Natur, Abenteuer und die Nähe zu Pferden sucht, findet hier etwas Besonderes.
Infos und Buchung unter: www.reiterreisen.com/sar007.htm
