Chile- Andenüberquerung im Seengebiet April



Von Chile nach Argentinien über die Anden. Reise durch Nordpatagonien in 10 Tagen April 2026
Meine Reise startete im April 2026. Die letzte angebotene Tour in diesem Jahr. Die Vorfreude war bereits riesig und endlich ging es los. In Südamerika ist in dieser Jahreszeit bereits Herbstbeginn und wie erwartet, zeigte sich dieses wunderbare Farbenspiel der Natur in voller Pracht. Ich kam bereits 2 Tage vor Tourbeginn in Pucon an. Dies ermöglichte mir ein ruhiges Anklimatisieren im Land. Pucon ist rund 1,5 Autofahrstunden vom Flughafen Temuco entfernt. Ein wunderbares Städtchen am See, welches zum Schlendern in den Gassen einlädt, Läden um zum Stöbern, Freizeitaktivitäten wie Wandern oder einfach um einen Apéro oder feines Essen zu geniessen. Immer schön mit Sicht auf den berühmten aktiven Vulkan „Villarica“. Diesen kann man übrigens auch mit geführten Touren besteigen. Pucon erinnerte mich an ein „Skiresort“ Dorf mit den hölzernen Häuschen und sehr viel Charme- Architektur. Durch dass es nicht mehr Hochsaison war, hatte ich generell auf der ganzen Reise keine grossen Menschenmassen. Somit war auch keine Frühbuchung für Freizeitaktivitäten notwendig. Ich machte einen Ausflug in die Thermal Quellen „Las Termas Geometricas“. Diese sind knapp 2h mit dem Auto von Pucon entfernt. Ich hatte es mit Getyourgide einfach gebucht, sodass kein Mietauto nötig war. Die Abholung war direkt im Hotel. Absolut lohnenswert und erholsam.

Am Sonntag ging es dann endlich los und ich wurde von Mara der Antilco-Ranch abgeholt. Sie hat das Geschäft kürzlich von Ihrem Vater übernommen. Mathias (ursprünglich aus Deutschland) hatte die Antilco Ranch über Jahre hinweg aufgebaut und nun in beste Hände übergeben. Mara, welche seit klein an ins Business hineinwuchs, führt nun den Betrieb gekonnt und mit frischem Wind weiter. Ich wurde herzlich empfangen. Die Hütten, in welchen wir schliefen sind top ausgestattet. Ein Cheminée-Ofen sorgte für wohlige Wärme. Bereits auf dem Tisch waren ein Tablar mit Snacks und Apérogetränk. Nun trafen nach und nach auch meine Reisegefährten ein. Wir waren zu viert in der Gruppe. Bei einem gemeinsamen, frisch gekochten Abendessen konnten wir uns bereits etwas kennenlernen. Erneut hatte ich das Glück, super gesellige und wunderbare Reisegefährten zu treffen. Wir wurden instruiert über Material und Pferde. Die chilenischen Criollo Pferde sind enorm robust, kräftig gebaut und überzeugen mit einer enormen Ausdauer. Die Sättel waren sehr bequem. Am ersten Tag machten wir einen Testritt um die Pferde kennenzulernen. Die Landschaft ist einfach jetzt schon atemberaubend. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich ja nicht, was alles noch kommen würde. Nachdem wir ein super frisches, vielfältiges Frühstück serviert bekamen, ging‘s los. Die Pferde wurden dafür aber zuerst verladen und auch wir wurden im Bus zum Ausgangspunkt gefahren. Alexandra, die Logistikfee und eine langjährige Mitarbeiterin des Betriebs, transportierte unser Gepäck. Während der Tour unterstützte sie unsere Guides Katie und Steven. Sie zauberte an gewissen Abenden fantastische Gaumenfreuden, sei es auf dem Feuer oder vom Herd, brachte unseren frischen Kleider oder Essensnachschub und Wein.

Die Tour:
Die Pferde wurden von Guide Katie zugeteilt. Meiner Meinung nach, wurden die Pferde passend den Teilnehmern zugeteilt. Jedem Charakter sein passendes Pferd. Es war mir eine Freude, den hübschen Wallach Melian zu reiten. Aufgesattelt und mit schweren Satteltaschen und Reiter beladen, startete die Tour. Von einer abgelegenen Kiesstrasse folgte der Weg in schmale Wanderpfade, wo auch schon bald die erste „Klettertour“ für die Pferde stattfand. Die Landschaft ist wie im Bilderbuch. Die Blätter färben sich von orange – gelb. Das Wasser der Flüsse und Seen ist kristallklar und natürlich noch kitschiger, wenn das Wetter stimmt. Und das hat es! Auf der ganzen Tour hatten wir nicht einen Regentropfen. Was zwar eher untypisch ist, denn gerade im Herbst ist in Patagonien ist alles möglich. Von Schnee zu Regen zu Sonne. Die Pfade führten mehrheitlich durch private Grundstücke und Abschnitte der Nationalparks. Was das absolute Freedom- Feeling hervorgerufen hat. Keine Wandergruppen und Touristenmassen. Die Pflanzen und Bäume, die über Jahrtausende dort wachsen und gedeihen sind imposant. Ich fühlte mich wie ein einem anderen Zeitalter. Die trittsicheren Pferde führten uns durch Abhänge hinunter, welche ich nicht zu denken vermochte, dass diese reitbar sind. Einfach unglaublich. Mittagspausen gab es an Plätzen wie Seen oder Bächen, wo auch ein Bad eine willkommene Erfrischung bot. Da wir sogar das Mittagsmenü von Katie und Steven zubereitet bekamen, war es tatsächlich absolut erholsame Ferien. Kein Kochen, kein Pferdesatteln, einfach geniessen. Wir waren bis zu durchschnittlich 6-8h im Sattel und waren dann auch froh, die tollen Gadgets der Unterkünfte zu nutzen. Einmal im Naturpool zu planschen. Aufgeheizt durch den Vulkan. Oder im Hotpot relaxen. In Chile haben wir nur einmal im Zelt übernachtet. Dies variiere je nach Tour, wurde uns erklärt. Da die Nächte aber doch sehr kalt werden. waren wir froh, mehrmals in Gasthäusern oder kleinen Cabins zu übernachten. Nachdem wir ein ausserordentlich üppiges BBQ, am letzten Abend in Chile, genossen und am Morgen mit einem erneut super reichhaltigen Frühstück gestärkt wurden, ging es dann auch schon in Richtung Grenzgebiet. Ein letzter Ritt auf den wunderbaren Pferden der Antilco Ranch. Sobald das Grenzgebäude ersichtlich wurde, fand sich auch schon der Transporter ein. Die Pferde wurden abgesattelt, ordentlich getätschelt, verabschiedet und dann auch schon in den Lastwagen verladen. Viel Zeit blieb nicht um die Pferde zu vermissen, denn die nächsten warteten schon 30 m weiter auf der anderen Seite des Grenzhäuschens. Nachdem der Papierkram erledigt war, hiess es dann auch Abschied nehmen von Katie und Steven und Alexandra, welche uns souverän durch die ersten Tage supportet haben. Hola Argentina! Angekommen auf der anderen Seite, empfingen uns 7 neugierige Pferde und 2 Guides. José Maria, der gerade an jenem Tag seinen Geburtstag feierte und sein Sohn Alvaro. Die Pferde zuteilen und aufsitzen hiess es dann. Ich wurde mit „Unicorno“ vertraut gemacht. Ein kräftiges, lustiges Pferd, welches mir sehr Freude bereitete. Die argentinischen Pferde waren etwas langbeiniger als die Criollos aber dennoch sehr ausdauernd und kräftig und ebenfalls gutmütig im Charakter. José Maria selbst, ritt ein Pferd, das mit Shire Horse gekreuzt wurde. Die zwei Guides wurden durch Alvaros Bruder und noch einem weiteren José, einen Freund der Familie, unterstützt. Wir übernachteten in Zelten, welche für uns bereits aufgestellt wurden. Luxus. Die Antilco Ranch arbeitet erst kürzlich mit José Maria von Moquehue zusammen. Ich darf aber mit vollster Zufriedenheit mitteilen, dass die Tour mit absolutem Herzblut geführt wird und auch durch Alvaros Englisch-Übersetzung, keine Sprachbarriere besteht. Landschaftlich zeigte sich die argentinische Seite eher flach mit ewigen Weiten, was auch für einige Galoppaden einlud. Da wir unser Gepäck jeden Abend wieder erhielten, mussten auch keine schweren Satteltaschen mitgeführt werden. Nebst dem flachen Gelände, gab es aber auch Bäche und Wälder, die wir durchkreuzten. Die Vegetation zeigte sich verändert zur chilenischen Seite. Nicht mehr so dicht bewachsen wie zuvor, dennoch aber genügend grün. Ein absolutes Highlight war die Aussicht über die ganze Seelandschaft vom Gipfel eines Vulkans. Kulinarisch wurden wir vom Chef höchstpersönlich verwöhnt. Gekonnt, und wie in all seinen geschauten Silverstone- Ranch Serien, kochte José Maria alles auf dem Feuer. Die Nächte im Zelt waren kühl, was aber mit warmer Schichtkleidung kein Problem darstellte. Die Sicht auf den sternenklaren Himmel ohne Lichtverschmutzung war ebenfalls unglaublich. Die letzte Übernachtung war dann auf der Ranch am Lago Moquehue. Das Wetter war warm und sonnig und lud zum Kanufahren ein. Ein rundum-Panorama der Superlative. Abschliessend, nachdem alle sich erfrischt und eine heisse Dusche genossen haben, fanden wir uns zum gemeinsamen Abschlussessen im Gästehaus. Ein vom Feuer, riesiges BBQ- ein sogenanntes „Asado“. Natürlich würden auch vegetarische Wünsche berücksichtigt. Zudem gabs zu jeder ausgewogenen Mahlzeit genügend Beilagen. Und ein Dessert durfte für die süssigkeitliebenden Südamerikaner nie fehlen. Dulce de leche Caramelaufstrich liess sich durchaus auch zum Frühstück naschen. Nach dem Verabschieden der Pferd und José Maria, brachte und Alvaro zurück an die Grenze, wo wir nochmals Papierkram ausfüllen mussten, um wieder nach Chile einreisen zu können. Die Fahrt zur Grenze dauerte nur knappe 20 Minuten. Mara nahm uns wieder in Empfang und brachte uns anschliessend zum Flughafen Temuco.

Ich blieb noch für zwei weitere Tage in Pucon bevor ich dann meine Südamerika Reise weitermachte. Aber dieses Pferdeabenteuer in Nordpatagonien ist wirklich sehr empfehlenswert und ein sicherlich absolutes Highlight von meinen bisherigen Reittouren. Da ich nicht nur für zwei Wochen, den weiten Weg nach Südamerika auf mich nehmen wollte, setzte ich meine Reise in der Region Patagonien fort. Komplett waren es noch zwei weitere Wochen, wo ich auf die wunderbarsten Naturspots traf, welche ich je gesehen habe. Unendliche Weiten und Tierwelt und Berggipfel waren zu bestaunen. Die berühmte Bergkette „Fitz Roy“, welche auch auf dem Logos der Patagonia-Kleidermarke zu finden ist oder die eisige Landschaft des Perito Moreno Gletschers. Wer also die Möglichkeit hat, die Reise noch zu verlängern, sollte dies unbedingt tun.

Livia Henseler April 2026

Autor: Livia Henseler, 2026