Österreich - Reiterparadies Mühlviertel
Als meine Freundin und ich am Sonntagabend ankommen, wirkt der Reiterhof recht verlassen, doch im gemütlichen „Kaminstüberl“ finden wir den Hausherrn und einige Reiter beim Abendessen mit Pizza. Nach einem kurzen, herzlichen Empfang und Bezug unseres riesigen schönen Gästezimmers gehen wir erst einmal rasch etwas essen, denn auf dem Land schliessen die Gasthäuser bei Zeiten. Zwei Restaurants befinden sich ca. 50 m vom Hof entfernt. Am Sonntagabend haben sie die Küche allerdings schon früher geschlossen und da bleibt uns um 20 Uhr auch nur noch Pizza und Kebab. Gestärkt kehren wir auf den Hof zurück, wo wir das Programm für den folgenden Tag besprechen. Auf meinen Wunsch hin wird es einen Tagesritt geben, und zwar bis zum wenige Kilometer entfernten Tschechien. Als Araber-, Isländer- und Ponyreiterin, bekomme ich ein einigermassen kleines Pferd mit hohem Vollblutanteil. „Celebrity“ ist eine freundliche Stute von 16 Jahren, die eine Karriere im Hürdenrennen hinter sich hat. Für den Tagessritt haben wir die „alten Hasen“ dabei, ein Wallach ist über 20 und noch gut dabei. Auch er ist ein ehemaliges Turnierpferd, wie die meisten der Schulpferde. Unsere kleine Gruppe, bestehend aus einem Pensionär aus dem Burgenland, einer sympathischen Wienerin und einer Reitschülerin aus dem Ort wird angeführt vom Hausherrn selbst, der sich als sehr guter Rittführer erweist. Gesittet geniessen wir so auch ein paar schöne Trab- und Galoppstrecken. Das hügelige Gelände mit weiten Wiesen und dichtem Nadelwald bietet ein herrliches Reitgelände. Das Mühlviertel zählt als bestes Reitgebiet Österreichs und verfügt über ein endloses Netz aus rund 700km an weichen Wald- und Wiesenwegen. 
Gemütlichkeit wird in Österreich bekanntlich gross geschrieben und so sind wir nach einem ausgiebigen Frühstück erst nach 10 Uhr gestartet, ohne jede Hektik. Etwa 1,5 Stunden später erreichen wir eine befreundete Ranch an der tschechischen Grenze. Ab hier begleiten uns die beiden örtlichen Wanderreitführerinnen auf einen 2-stündigen Rundritt über die Grenze hinaus. Über einen schmalen Trampelpfad geht es durch den Tannenwald und über Wiesen mit schönem Ausblick auf die Hügellandschaft. Wo einst der „eiserne Vorhang“ in Form eines meterhohen Stacheldrahtzauns verlief, sieht man nun nur noch einen grünen Streifen, der sich quer durch den Wald zieht. Ausserdem begegnen wir Relikten der Pferdeeisenbahn, die bis zum Beginn des 19. Jh. vor allem Salz beförderte. Ein kleines Teilstück der Trasse wurde für touristische Fahrten restauriert, im Wald sieht man jedoch nur noch einzelne Brückenpfeiler. Der Ritt auf der anderen Seite der Grenze ist abwechslungsreich: Flieder, Birken und Mischwald säumen unseren Weg. Zurück auf der Ranch bringen wir die Pferde in Gastboxen unter, wo sie feines Bergwiesenheu geniessen. Wir selbst werden von den Gastgebern mit Kartoffelgulasch, Almdudler und anderen Köstlichkeiten verwöhnt. Nach einer ausgiebigen Mittagspause steigen wir gestärkt wieder in den Sattel und reiten eine etwas andere Strecke zurück zum Hof. Den ganzen Tag strahlt die Sonne und fröhlich erreichen Pferde und Reiter den heimischen Stall.
Heute haben wir mehr Glück mit dem Abendessen und geniessen ein traditionelles Menü, bei dem auch der Apfelstrudel nicht fehlen darf. Anschliessend sitzen wir noch im Kaminstüberl zusammen und lassen den Abend bei einem Bier ausklingen.
Am nächsten Morgen geht es in die Bahn zur Reitstunde. Die ist recht konventionell. Wir sind zu viert und reiten in der Abteilung. Zwischendurch wird ein einzelner Reiter extra herausgenommen und gezielt unterrichtet. Es ist auch ein Reitanfänger dabei, der in seinen bisher drei Reitstunden schon beachtliche Fortschritte gemacht hat. Meine kleine Lippizanerstute ist leider etwas triebig, die Warmblüter sind da fleißiger unterwegs.
Am Nachmittag nehmen wir noch eine Einsteiger-Springstunde, schliesslich wollen wir alles einmal ausprobieren. Mein Wallach ist ein ehemaliges Vielseitigkeitspferd und so übe ich Seitengänge, während die anderen an der Reihe sind, was gut klappt. Er läuft auch schön am Zügel und meistert die kleinen Hindernisse natürlich mit Leichtigkeit, so dass ich mich ganz auf meinen Sitz konzentrieren kann. In der Dressurstunde hätte ich mit ihm sicher auch viel Freude gehabt.
Neben Unterricht in kleinen Gruppen, gibt es auch die Möglichkeit Einzelunterricht zu nehmen, was sicher sinnvoll ist, wenn man intensiver lernen möchte. Meine Freundin bucht für den nächsten Morgen noch eine Einzelstunde Dressur, die der Hofbesitzer selbst erteilt. Er startet regelmässig erfolgreich selbst an Turnieren, wobei die Dressur seine liebste Disziplin ist. Ich begnüge mich mit dem Zuschauen, für meine Freundin wird es recht anstrengend, wie es sich gehört...
Gut vorstellen kann ich mir hier mit dem eigenen Pferd Urlaub zu machen, denn das Ausreitgelände ist wirklich traumhaft und die Infrastruktur super: Neben der Halle steht noch ein riesiger Reitplatz zur Verfügung, unterteilt in Dressurviereck und Springplatz. Nicht zu vergessen die grosse Geländestrecke mit festen Hindernissen und der Badesee. Wahrlich ein Reiterparadies! Für die Pferde bieten die Boxen ausreichend Platz und es stehen grosse gepflegte Weiden zur Verfügung, die auch die Schulpferde in kleinen Gruppen geniessen dürfen.