Chile - Andenüberquerung im Seengebiet



11 Tage zu Pferd von Chile nach Argentinien – vom Sollipulli-Gletscher bis in die endlose Steppe

Der Atem bildet kleine Wolken in der klaren Morgenluft, während die ersten Sonnenstrahlen die schneebedeckten Gipfel des Sollipulli-Gletschers vergolden. Hufe knirschen im Vulkansand, Leder quietscht leise, irgendwo schnaubt ein Pferd. Dann setzt sich unsere kleine Karawane in 
Bewegung.Vor uns liegen elf Tage Andenüberquerung – von Chile nach Argentinien. Elf Tage Natur, Weite und Freiheit im Sattel.
Schon die ersten Kilometer führen durch eine Landschaft, die wirkt, als sei sie aus einer anderen Zeit. Uralte Araukarienwälder mit ihren bizarren, schirmartigen Kronen ragen wie Wächter in den Himmel. Manche dieser Bäume sind Jahrhunderte alt. Zwischen dunklen Lavafeldern, klaren Bergbächen und weiten Tälern fühlen wir uns klein – und gleichzeitig unglaublich lebendig.
Unsere Pferde sind trittsicher, kraftvoll und hervorragend trainiert. Genau das braucht es hier. Schmale Pfade, steinige Anstiege und lange Höhenzüge verlangen Vertrauen – in sein Pferd und in sich selbst. Zum Glück begleiten uns erfahrene, ortskundige Reitführer, die jeden Pass und jede Quelle kennen.


Tagsüber reiten wir durch stille Täler, überqueren Flüsse und erklimmen aussichtsreiche Pässe. Immer wieder öffnen sich Ausblicke, die sprachlos machen: schneebedeckte Vulkane, smaragdgrüne Lagunen, endlose Horizonte.
Und dann diese besonderen Momente:
Ein Bad in einer heißen Quelle mitten im Nirgendwo.
Das Knistern des Lagerfeuers nach einem langen Ritt.
Regionaltypisches Essen – einfach, ehrlich, unglaublich gut.
Und darüber ein Sternenhimmel, wie man ihn nur fernab jeder Zivilisation findet.
Geschlafen wird im Zelt, eingehüllt in die Stille der Berge. Kein Straßenlärm, kein Licht – nur Wind, Pferdeatmen und das Gefühl, ganz bei sich zu sein.
Mit dem Grenzübertritt verändert sich die Landschaft fast schlagartig. Chile bleibt bergig und wild, Argentinien öffnet sich weit und grenzenlos. Die Steppe scheint kein Ende zu haben.
Hier warten neue, temperamentvolle Pferde auf uns – schnell, leichtfüßig, gemacht für Strecke. Und dann passiert das, worauf jeder Reiter heimlich hofft: lange, fliegende Galoppaden über offenes Land. Der Wind im Gesicht, der Rhythmus der Hufe, pure Freiheit.



Freiheit, die bleibt
Diese Andenüberquerung ist mehr als ein Wanderritt.
Sie ist eine Reise zu den Elementen – und zu sich selbst.
Elf Tage ohne Ablenkung.
Elf Tage Natur pur.
Elf Tage, in denen man spürt, warum Reiten so viel mehr ist als ein Sport.
Es ist dieses Gefühl von Vertrauen zwischen Mensch und Pferd.
Dieses Unterwegssein.
Diese grenzenlose Weite.
Und irgendwann weiß man:
Man ist nicht nur über die Anden geritten – man hat ein kleines Stück Abenteuer mit nach Hause genommen.

Dagmar Ochsenschläger
Januar 2026

Autor: Dagmar Ochsenschlaeger, 2026