Weite, Wildnis und herrliche Galoppaden – Bulgarien zu Pferd



Nach meiner Ankunft in Sofia werde ich herzlich am Flughafen empfangen. Gemeinsam mit meiner Freundin und weiteren Teilnehmerinnen aus verschiedenen Ländern machen wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft. Während der rund vierstündigen Autofahrt nutzen wir die Zeit, um uns gegenseitig kennenzulernen und erste Eindrücke auszutauschen. Schliesslich erreichen wir nach einer angenehmen Fahrt wohlbehalten unser Ziel. Die Unterkunft lässt keine Wünsche oƯen und abends sitzen wir bei unserem ersten Abendessen zusammen und starten mit einem leckeren Essen in die Woche.

Tag 2 – Mein treuer Begleiter Yanko
Am nächsten Morgen ist die Aufregung greifbar: Heute lernen wir unsere Pferde kennen. Mein vierbeiniger Partner für die Woche wird mir nach ein paar Fragen direkt zugeteilt – Yanko, das perfekte Trailpferd. Trittsicher, gelassen und trotzdem voller Eifer dabei und immer für einen flotten Galopp zu haben. Ich darf ihn gebisslos reiten, für mich eine neue Erfahrung, hat aber super geklappt. Unsere Gruppe besteht aus sieben Reiterinnen– eine bunte Mischung aus Deutschland, Frankreich, Spanien, England, den USA und Kanada. Verschiedene Sprachen, verschiedene Reitweisen – und doch verbindet uns sofort dasselbe Gefühl: die Liebe zu Pferden, zur Natur und zum Abenteuer.
Wir reiten durch dichte Wälder, entlang klarer Bäche und über weite Wiesen und Felder. Alles ist bereits in einem leichten Herbstton gefärbt, richtig schön! Überall erwartet uns die Weite Bulgariens und unberührte Natur und wir geniessen die ersten Trab- und Galoppstrecken. Die ersten Reitstunden müssen wir noch mit etwas Nieselregen auskommen, was uns aber nicht von der guten Laune abhält – nur kommen wir nicht ganz so schnell vorwärts wie sonst üblich, da der Boden teils sehr rutschig ist. Die Pferde schreiten trotzdem fleissig und munter vorwärts und bringen uns auch bei steileren Abhängen sicher nach unten.
Tag 3 – Bulgarische Kultur und herrliche Landschaft
Nach dem Frühstück starten wir kulturell – wir besuchen ein Kloster und eine Höhle. Das Dryanovo-Kloster liegt malerisch in einem engen Flusstal in den Balkanbergen Bulgariens. Es ist von steilen, bewaldeten Felsen umgeben und besteht aus weiss getünchten Gebäuden mit dunklen Holzelementen und roten Dächern. Oberhalb des Klosters befindet sich die „Bacho-Kiro“-Höhle, die in den Fels eingelassen ist und durch ihre grosse ÖƯnung und geschichtsträchtige Atmosphäre auƯällt. Sie ist eine bedeutende archäologische Stätte, in der Spuren früher menschlicher Besiedlung gefunden wurden. Zusammen bilden Kloster und Höhle ein eindrucksvolles Ensemble aus Natur und Geschichte. Danach geht es zu Pferd weiter – wir traben nordwärts, vorbei an endlosen, bunten Feldern und Wiesen, bevor wir uns einem kleinen Canyon nähern, dessen rauschender Bach uns auf unserem Weg begleitet. Wir erreichen das malerische Dorf Kereka, wo wir unter alten Bäumen ein gemütliches Picknick geniessen und die Seele baumeln lassen. Frisch gestärkt setzen wir unseren Ritt fort und sind noch einige Kilometer unterwegs bis wir unser Ziel erreichen- eine tolle Unterkunft mit köstlichem Abendessen, einem einladenden Whirlpool und einer entspannenden Sauna – der perfekte Abschluss für einen fünfstündigen Ritt voller Natur, Freiheit und Abenteuer.
Tag 4 – Die Stadt der Zaren
Der Tag beginnt mit einem gemütlichen Frühstück, bevor wir die historische Stadt Veliko Tarnovo besuchen, einst Hauptstadt des Zweiten Bulgarischen Königreichs. Im Jahr 1185 führten die Brüder Asen und Peter den Aufstand gegen die Byzantiner an, und Asen wurde zum Zaren gekrönt. Die Stadt, mit über 7000 Jahren Geschichte, ist auf drei Hügeln erbaut: Tsarevets, Trapezitsa und Momina, die von der Yantra umflossen werden. Besonders Tsarevets diente als Zentrum der Macht und trägt den Beinamen „Stadt der Zaren“. Hier lassen sich die Überreste von über 400 Häusern, 18 Kirchen, dem Königspalast und dem Hinrichtungsfelsen erkunden. Anschliessend geht es Richtung Dorf Emen, entlang des Yantra-Flusses und durch weite Felder und Wiesen, bevor ein Picknick neben Balvan zur Pause einlädt. Jedes Picknick ist liebevoll zubereitet. Es gibt immer Salat, etwas Warmes zu essen, sowie kleine Nachspeisen. Auch für KaƯee, Tee und andere Getränke ist immer gesorgt – einfach zum Wohlfühlen!
Tag 5 – Über den Wolken Bulgariens
Heute zieht es uns hinauf auf das Devetaki-Plateau. Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel, erwarten uns bereits die gesattelten Pferde und wir machen uns auf den Weg in nordwestlicher Richtung zum Dorf Karpachevo.
Schon bald tragen uns die Pferde über weite Wiesen und Felder, und wir geniessen ausgiebige Galoppaden, die uns das Gefühl von grenzenloser Freiheit schenken. Bald erreichen wir das beeindruckende Devetaki-Plateau, das mit 500–600 Metern Höhe eine atemberaubende 360-Grad-Panoramasicht auf die umliegende Landschaft eröƯnet – ein Moment, den man am liebsten für immer festhalten möchte.
Unter schattigen Bäumen in der Nähe des Dorfes Krasno Gradishte machen wir ein entspanntes Picknick und lassen die Schönheit der Natur auf uns wirken. Frisch gestärkt setzen wir unseren Ritt fort und erreichen schliesslich das charmante Gästehaus „Ongul“ in Karpachevo, wo gemütliche Zimmer und herzliche Gastfreundschaft auf uns warten. Nach rund 35 Kilometern und etwa sechs Stunden Reiten klingt der Tag in ruhiger, ländlicher Atmosphäre aus – ein perfekter Mix aus Abenteuer, Natur und Erholung. Das Gästehaus ist eine ehemalige Schule und die Zimmer sind beeindruckend gross und das Gelände herrlich gelegen, mit einem Roundpen und einem riesigen Garten, der mit einem Swimmingpool zum Verweilen und geniessen einlädt. Hier bleiben wir zwei Nächte.
Tag 6 – Wasser, Felsen und Wunder
Nach einem kurzen, flotten Ausritt mit vielen schönen Galoppaden über weite Felder und Wiesen, besuchen wir die Krushuna-Wasserfälle – türkisblaues Wasser stürzt über Kalkterrassen, die Luft ist kühl und erfrischend. Im Anschluss geht es zu der Devetaki-Höhle, eine gewaltige Naturkathedrale, in der sogar Szenen von The Expendables 2 gedreht wurden.
Zurück im Gästehaus lassen wir den Abend ruhig ausklingen. Die Abende sind immer toll und unterhaltsam. Bei einem Drink wird erzählt, geschmunzelt und miteinander angestossen – Geschichten werden ausgetauscht und die gute Stimmung ist ansteckend. Hier wird nicht nur der Tag ausklingen gelassen, sondern echte Gemeinsamkeit spürbar: Jeder Moment wird zu einem kleinen Erlebnis, das man am liebsten noch einmal erleben möchte.

Tag 7 – Der letzte Ritt
Nach einem gemütlichen Frühstück im Gästehaus geht es noch einmal zu den Pferden. Die Route führt uns vom Dorf Karpachevo über das Hochplateau zur beeindruckenden, vertikalen Garvanitsa-Höhle – ein faszinierendes Naturwunder, das tief in den Fels hinabführt. Von dort reiten wir weiter zum idyllischen Kramolin-See, wo wir bei einem entspannten Picknick am Wasser neue Energie tanken. Ein herrlicher Anblick mit dem
See im Hintergrund.
Am Nachmittag geht es durch die Täler der Flüsse Magara und Krapets, vorbei an weiten Wiesen und einigen Dörfern. Viele Einwohner wohnen leider nicht mehr dort – Arbeit gibt es eher in den grösseren Städten und so stehen viele Häuser mit großen, schönen Grundstücken leer. Der Ritt endet im kleinen Ort Kurmiansko, wo unsere Pferde verladen und zurück zum Stall gebracht werden. Wir selbst lassen den Abend im Hotel
ausklingen. Beim Abendessen blicken wir auf sieben Tage spannende Erlebnisse zurück - Sieben Tage voller unvergesslicher Naturerlebnisse, schöner Ritte, dem einen oder anderen kleinen Wettrennen zwischen den Pferden, herzlicher bulgarischer Gastfreundschaft und köstlichem Essen gehen zu Ende – und bleiben als wunderbare Erinnerung an eine besondere Zeit im Sattel.

Tag 8 – Abschied und Dankbarkeit
Früh machen wir uns auf den Weg in Richtung Sofia. Auf der Fahrt wird wenig gesprochen – jeder hängt seinen Gedanken nach. Diese Reise war mehr als nur ein Reiturlaub. Es war eine Rückkehr zur Einfachheit, zu echter Natur und zu dem Gefühl, Teil von etwas Grösserem zu sein – wir kommen wieder!

Angelika Kaiser, Oktober 2025