Reisebericht Slowakei
Abenteuerritt mit Eszter und ihren Kunfako Ponys
Am Sonntagmorgen bin ich früh aufgewacht, und obwohl es noch dunkel war (und natürlich immer noch neblig) und die Temperaturen nah am Gefrierpunkt lagen, war ich schon ganz aufgeregt, weil ich seit meiner Kindheit diese Gegend und diese Pferderasse kennenlernen wollte. Gott sei Dank sprang das Auto trotz der Kälte an, und wir machten uns auf den 4-Stunden-Trip zum Hof. Die Straßen waren frei (jede vernünftige Person schläft Sonntagmorgen – außer uns), und mit guter ungarischer Musik und Snacks fühlte sich die Fahrt nicht einmal so lang an. Klarer wurde es beim Grenzübertritt nicht, und da habe ich endgültig aufgegeben, während meines Aufenthalts noch irgendeine Sonne zu sehen.
Wir kamen in Gombaszög an, und unser Guide Eszter wartete schon mit Frühstück und warmem Tee auf uns. Leider hatten wir dank unserer Snacks bereits einen Zuckerschock, also machten wir uns direkt auf zu den Pferden. Da es Ende der Saison war, standen die Pferde schon auf den Weiden – also war unsere erste Aufgabe des Tages, sie zu finden und einzusammeln. Mein Freund und ich sahen wohl am frischsten aus, also schickte uns Eszter los, alle Pferde zu holen. Er wurde in den Wald geschickt, um die Wallache zu suchen, und ich sollte mit meinen Mitreiterinnen die Stuten finden. Ich bekam sehr detaillierte Infos: „Die Pferde sind auf einem Feld hinter dem Haus.“ Tja… nur hat man wegen des Nebels kein einziges Haus gesehen.


Nach einer kleinen Expedition durch die Kürbisfelder von Gombaszög sahen wir schließlich im Nebel pferdeähnliche Wesen und entschieden uns, zu überprüfen, ob wir die wohl reiten können. Wir fanden drei Pferde, alle superfreundlich, also nahmen wir sie mit – auch wenn wir nur zwei Halfter hatten. Als Führerin der Gruppe habe ich mich freiwillig gemeldet, eines ohne Halfter zu nehmen. Ich suchte mir eine kleine mausgraue Stute aus, superniedlich, mit großen dunklen Augen, die mir ganz klar sagten, dass sie mir auch ohne Halfter brav durch die Kürbisfelder folgen würde. Also nahm ich sie an der Mähne und führte sie hinter den anderen her – unnötig zu erwähnen, dass mein Bauchgefühl richtig war und sie super mitgemacht hat. Zurück am Hof waren die anderen schon beim Satteln, also mussten wir uns beeilen. Vorteil von Kleinpferden: Man hat nur eine kleine Fläche zu putzen.
Eszter teilte die Pferde und die Ausrüstung zu – und wie viel Pech ich mit dem Wetter gehabt hatte, so viel Glück hatte ich jetzt, denn sie gab mir tatsächlich die kleine Stute, die ich vom Feld gebracht hatte. So kam es, dass ich Lenvirág reiten durfte – das kleine graue Pony mit aalstrich meiner Kindheitsträume. Mein Freund, der seinen Abenteuergeist bewiesen hatte, bekam den jungen Wallach Murány. Murány ist am Hof geboren und seit seiner Geburt Teilnehmer auf den Trails. Bisher hatte er mehr Erfahrung als Packpferd, erst seit kurzem wird er unter dem Sattel gearbeitet – aber das schien kein Problem zu sein. Mein Freund Norbi ritt ihn direkt schon einmal an, bis er merkte, dass er das wichtigste ungarische Accessoire im Auto vergessen hatte: seine Zigaretten. Und natürlich brauchte er auch noch einen letzten Schluck Mate.
Als schließlich alle bereit waren, ritten wir los in den grauen Nebel. Wir waren sechs Reiter und zwei Hunde – Bojtár und Zsenge –, die uns treu begleiteten und unsere kleine Pferdeherde beschützten. Der Wald war still, nur wir und die Pferde an diesem kalten November-Sonntag. Wir ritten bergauf, tief hinein in den Wald. Erst auf der Straße, dann rechts in einen schmalen Pfad, der steil hinaufführte. Die Pferde trugen uns sicher über rutschige Blätter, über Baumstämme und zwischen Felsen hindurch. Sogar der junge Murány setzte seine Hufe voll Vertrauen wie ein altes Wanderpferd, der Kleine weiß einfach, wie’s läuft. Am Ende des Tages hätte Norbi ihn am liebsten mit nach Hause genommen – leider passt er nicht ins Auto, und außerdem wird er nächstes Jahr auf den Trails gebraucht.
Das Wetter war alles andere als ideal, aber unser fröhlicher Guide Eszter sorgte für gute Stimmung. Sie erzählte uns voller Leidenschaft, wie sie in der Slowakei gelandet ist, angefangen hat, Kunfakos zu züchten, und Touren zu führen. Schon seit ihrer Kindheit ist sie begeistert vom Tourismus und ausgebildete Reitführerin. Die Berge hat sie immer geliebt – so ist sie im slowakisch-ungarischen Karst gelandet. Sie begann Kunfakos zu züchten, weil sie robust, freundlich und vielseitig sind. Kunfakos sind eine relativ neue ungarische Rasse, eine Mischung aus Polnischem Konik, Huzule und Araber. Ziel war ein einfach zu haltendes, ruhiges, langlebiges und kräftiges Reitpferd für lange Strecken. Kinder reiten sie oft, weil sie so brav sind, aber auch abenteuerlustige Reiter lieben sie. Im Sommer, erzählte sie, nimmt sie den jungen Murány als Packpferd, sattelt ein Pferd für sich, packt ihre zwei Hunde ein und ihren Sohn, festgebunden auf ihrem Rücken, und reitet von der Slowakei bis zur Donau – 50 km täglich, übernachtet wird dort, wo es dunkel wird: bei Freunden oder im Zelt.
Beeindruckt von ihren Geschichten verging die Zeit wie im Flug, und wir erreichten unseren ersten Stopp: die Eishöhlen von Szilice. Nach einer kurzen Pause zum Beine vertreten ritten wir weiter, der Nebel wurde nur dichter, je höher wir kamen. Bald erreichten wir das kleine Dorf Szilice. Das Dorf schlief noch, die Straßen leer – nur wir marschierten mit unseren Pferden hindurch. Ruhig? Nicht wirklich, denn die Hunde bellten laut und erschreckten Hund Zsenge, der Schutz suchte und auf das Guide-Pferd Zebulon sprang. Zebulon war völlig unbeeindruckt und trug ihn wie ein Bodyguard aus dem Dorf hinaus.
Weiter ging’s über das Plateau, wo man normalerweise eine fantastische Aussicht hätte – aber im Nebel mussten wir uns anhand Eszters Beschreibungen die Landschaft bei Sonnenschein vorstellen. Auf dem Plateau konnten wir ein bisschen traben, da es trockener war als im Wald; galoppieren ging leider nicht, obwohl die Felder im Sommer nach Galoppaden schreien. Ein kleiner Dämpfer für Pferde und Reiter, aber ein Grund, wiederzukommen! Wir machten eine zweite Pause mit Blick ins Tal – na ja, angeblichem Blick –, das vom Fluss Sajó durchzogen wird. Wieder mussten wir uns auf Eszters Erzählungen und ihre Fotos verlassen. Alle waren schon etwas durchgefroren, also hielten wir nur kurz an; die Pferde fanden es schade, denn das weiche Gras schmeckte ihnen.
Wir stiegen ein letztes Mal auf und begannen den Abstieg. Wieder in den Wald hinein, diesmal über unbenutzte Pfade – Eszter kennt den Wald wie ihre Westentasche und weiß genau, an welchem Baum man abbiegen muss. Pferde wie Reiter genossen dieses Offroad-Abenteuer. Meine Finger waren eingefroren, ich konnte Lenvirág kaum lenken – aber sie brauchte mich nicht. Sie lief im Slalom selbstständig zwischen den Bäumen hindurch, immer darauf bedacht, nicht auszurutschen und sowohl ihren grasgefüllte Bauch als auch meine eingefrorenen Beine zwischen den Ästen durch zu bringen. Bei unserem Höhenunterschied braucht sie wohl eher Übung: Ich musste ein paar Äste wegschieben, damit sie mir nicht ins Gesicht klatschten.
Wir kamen zurück auf den Wanderweg und ritten einen sehr steilen Abhang hinunter. Unsere Guide entschied, dass wir lieber absteigen und führen sollten – der Herbstwald ist rutschig, der Dauerregen hat den Weg ausgespült. Die Pferde konnten beweisen, wie trittsicher sie sind. Sie sind hier groß geworden, als Fohlen schon mit auf den Trails, erst den Müttern hinterher, später als Packpferde, ab fünf Jahren mit Reiter auf dem Rücken. Alle barhuf, mit starken Hufen, das ganze Jahr draußen – perfekt angepasst an Wetter und Gelände. Das hier ist ihr Spielplatz, ihr Zuhause, für sie völlig normal. Sie grasen das ganze Jahr über, nur im Winter bekommen sie Heu, aber Kraftfutter brauchen sie nicht, sagt Eszter. Sie sind ausdauernder auf den fünftägigen Trails als warmblütige Pferde mit Hafer. Sie leben von Gras – und Liebe, sagt sie.

Wir erreichten wieder die Zivilisation, liefen ein Stück auf der Straße, und plötzlich wurde die Waldesruhe mit einem lauten Motorengeräusch zerrissen. „Ah, DER Bus“, sagte Eszter sofort. DER Bus, weil es der einzige des Tages ist – daher erkennt sie ihn am Klang. Wir warteten am Straßenrand, der Fahrer grüßte uns freundlich und fuhr vorsichtig vorbei.
Noch ein kurzes Stück, und wir erreichten den Hof. Wir sattelten ab und brachten die Pferde zurück auf den Paddock, wo sie sich glücklich im Schlamm wälzten. Wir mussten uns schnell verabschieden, weil ich meinen Rückflug erwischen musste, aber ich habe Eszter versprochen, im Sommer wiederzukommen – um dann wirklich alle Ausblicke zu sehen und mit Lenvirág über die Felder zu galoppieren. Auf dem Heimweg musste ich meine Finger auftauen, aber mir war warm ums Herz – nach diesen Tagen mit den aalstricher Ponys in den Berge.
Timea Somogyi, November 2025