Burgen und Schlösser der Toskana



Wieder im Sattel. Nach vier Jahren Pause begebe ich mich erneut auf eine Reiterreise. Das Ziel soll nicht zu weit von zu Hause entfernt sein. Keine Expedition, kein Abenteuer. Eher ein echtes "Raus aus dem Alltag" und die Seele baumeln lassen. Der Schlösser und Burgen Trail in der Toskana erschien mir dafür als perfekter Start nach meiner Babypause.


Schon der Auftakt in Sovana hat mich sofort begeistert. Der kleine Ort ist unglaublich malerisch und genau so, wie man sich die Städtchen in der Toskana vorstellt. Enge Gassen, alte Mauern, warmes Licht. Ein kleiner Streifzug durch den Ort lohnt sich auf jeden Fall und macht sofort Lust auf alles, was noch kommt. 



Auf entspannten, aber dennoch motivierten Pferden ging es dann hinaus in die toskanische Landschaft. Besonders am ersten und am letzten Reittag ist sie erstaunlich abwechslungsreich. Wir reiten durch Wälder, durchqueren kleine Bachläufe, kommen an Feldern und Wiesen vorbei und durchqueren immer wieder kleine Ortschaften. Dazwischen ergeben sich viele Möglichkeiten für kurze Trab oder Galoppeinheiten. 



Unsere Unterkünfte sind gemütlich, komfortabel und typisch toskanisch eingerichtet. Man hat sofort das Gefühl, zu Gast bei Freunden zu sein, ohne auf Privatsphäre verzichten zu müssen. Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Übernachtung im Schloss in Proceno. Dort genießen wir gleich an zwei Abenden das Essen im dazugehörigen Restaurant. Einst ein Stall, wird das Gebäude heute als Restaurant genutzt. Die Dekoration im Inneren erinnert noch immer an die Zeit, in der hier keine Gäste bewirtet, sondern Tiere untergebracht wurden. Das Restaurant hat einen ganz besonderen Flair, den vor allem seine Eigentümerin ausmacht. Cecilia ist Schlossherrin, Restaurantbesitzerin und vermutlich auch das eigentliche Oberhaupt der Stadt. Sie ist über achtzig Jahre alt und spricht beinahe perfektes Englisch. Sie lädt uns in ihre privaten Räume im Schloss ein und gibt uns eine ganz persönliche Führung durch die Burg. Ein einmaliges Erlebnis, das tief beeindruckt und lange nachwirkt. Ich hoffe sehr, dass sie ihr Wissen noch vielen Menschen weitergeben kann. Eine wahrlich außergewöhnliche Frau. 



Auf den Ritten werden wir von Duska begleitet, der seine Touren hier schon seit fünfundzwanzig Jahren führt. Er kennt gefühlt jeden und jeder kennt ihn. Genau das macht für mich eine Reiterreise aus. Menschen, die einem ihre Heimat nicht nur zeigen, sondern wirklich näherbringen.




Das trifft auf diese Reise in besonderem Maße zu. Wir lernen viele verschiedene Italienerinnen und Italiener kennen und im Laufe der Tage eignet man sich ganz unbemerkt auch ein wenig von ihrer Gelassenheit an. Die Italiener wissen einfach, wie man das Leben genießt.


Wer eine Reise sucht, auf der man entschleunigt, fantastisches Essen genießt und tief in die toskanische Kultur eintauchen kann, ist hier genau richtig.




Yvonne Koall, September 2025